Party mit Hund und Katze – Eine Kurzgeschichte

Ein Fest steht an. Die Familie bereitet sich auf den dreijährigen Geburtstag des Nesthäkchens Marlene vor. Die stolzen Eltern und der große Bruder Elvis sind bereits in den Vorbereitungen, Girlanden werden gespannt, Luftballons aufgehängt und in der Küche herrscht emsiges Treiben. Auch Oma, Opa, Tante Ida und die wilden Cousins sind eingeladen. Alle freuen sich riesig auf die Party, nur zwei – vierbeinige – Familienmitglieder beäugen das Geschehen kritisch, und wissen, dieser Tag wird nicht wie jeder andere sein.

Des einen Freud des anderen Leid

Caramel ist der Salonlöwe der Familie. Als dreifärbige Glückskatze schreitet sie durch die Wohnung und ist bereits auf der Suche nach einem sicheren Versteck bevor der Trubel beginnt. Denn im Knigge der Feliden steht geschrieben: „Die Katze bestimmt den Zeitpunkt der Sozialaufnahme.“ Leider weiß Caramel, dass sich die „Besucher-Menschen“ mit ihrem „Miez-Miez-Miez“ nicht an diese Benimmregeln der Katzen halten und so baut die kluge Katze vor und ist bereits unsichtbar, wenn die Türglocke erklingt.

Rufus, seines Zeichens ein Terrier, wagemutig und immer auf der Suche nach Beschäftigung, kann die Ankunft der Gäste gar nicht erwarten. Denn viele Besucher bedeuten viele Hände, viele Streicheleinheiten und viel Spaß. Das Läuten der Klingel ist für ihn der Auftakt zu einem Nachmittag, an dem hemmungslos gebellt werden darf und die Jagd auf Leckerbissen zum Sport erhoben wird. „Na ja, jetzt habt ihr mich ertappt. Ganz so ist es nicht mit dem Kläffen und Betteln. Frauchen und Herrchen mögen dies nicht so gern. Aber einige Wuffs müssen sein, wenn jemand an der Tür läutet, denn als aufmerksamer Hund muss ich doch mein Rudel über die Ankunft der Gäste informieren. Die faule Mieze macht ja keine Anstalten, die Gäste zu begrüßen.“

„Das ist wohl wieder typisch Hund. Keine Ahnung von Katzensitten. Aber wer nicht versteht, dass mein Schwanzpeitschen Ärger ausdrückt und keine freundliche Aufforderung ist …! Ich habe jetzt Wichtigeres zu tun. Ich muss das perfekte Versteck vor den Besuchern finden!“ entgegnet Caramel und begibt sich auf Patrouille durch die Wohnung und inspiziert das Bett, den Kasten und die Wäschetruhe. In diesem Moment läutet es an der Tür. Caramel saust durch die Wohnung, unentschlossen, welcher Schlupfwinkel nun der beste ist, während Rufus sich bereits wildem Gebell hingegeben hat. Die Kinder stürmen zur Tür, Frauchen schimpft in der Küche, dass das Essen ja noch gar nicht fertig sei und Herrchen öffnet endlich die Tür. Es sind Tante Ida und die beiden Cousins, leider etwas zu früh. Caramel ist ärgerlich, denn der Weg in den Kasten ist nun abgeschnitten und sie versucht, so unbeteiligt wie nur möglich, an den drei Besuchern vorbei zu marschieren. Kein leichtes Unterfangen, denn Rufus springt mittlerweile wie ein Gummiball an Tante Ida und den Cousins hoch, um noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Und da passiert es: Caramel verliert den Boden unter den Füßen. Tante Ida hat mit ihren Händen Caramels Bauch umfasst und sie in die Höhe gehoben. „Nein, ist das unangenehm! Die eine Hand unter die Vorderbeine und so den Brustkorb halten, mit der zweiten Hand bitte meinen Popo abstützen“, miaut der Stubentiger, doch die Tante versteht nichts von Katzen. Da muss ich doch etwas deutlicher werden, meint Caramel und beginnt zu fauchen und alle vier Pfoten von sich zu strecken. Mit einem: „So ein unfreundliches Tier habe ich ja noch nie gesehen“, wird Caramel unsanft auf den Boden gestellt. Rufus hingegen ist den Kindern ins Kinderzimmer gefolgt, um ja nichts zu verpassen.

Elvis und seine Cousins haben bereits die X-Box aktiviert und es wird lautstark gespielt. Rufus ist enttäuscht: „Kein Bällchen werfen – nichts, wo er mitspielen könnte. Alle sitzen vor diesem Kasten, dessen Lärm für meine Hundeohren so unangenehm ist. Mal sehen, ob es schon etwas zum Fressen gibt.“ Auf dem Weg ins Wohnzimmer zum gedeckten Tisch begegnet er Caramel, die sich im Wohnzimmer unter der Couch versteckt hat und Tante Ida, dieses nach Katzen greifende Wesen, aus sicherer Entfernung beobachtet. „Ding-Dong“, erneutes Läuten an der Tür. Caramel zuckt zusammen und beginnt sich nervös das Fell zu putzen. „Das machen wir nicht nur zur Fellpflege, sondern auch, wenn wir unter Stress stehen“, möchte Caramel belehrend mitteilen. Rufus läuft bellend in den Vorraum, die Gäste müssen ja begrüßt werden. Es sind dies Oma und Opa. Rufus ist begeistert: „Juhu Opa, mein Hundefreund ist da!“ Nachdem Opa ausgiebig begrüßt wurde, macht Rufus „Sitz“ und gibt Pfötchen. Nach viel Lob und einem Hundeleckerbissen als Belohnung, begibt sich Opa mit Rufus auf einen kleinen Spaziergang, um der allgemeinen Hektik zu entfliehen. „Opa versteht was von uns Hunden“ denkt Rufus und ist wild entschlossen, für Opa brav an der Leine zu gehen und seinen Hundefreunden einige „Briefchen“ zu hinterlassen.

Oma hat es sich im Wohnzimmer bequem gemacht, ohne Caramel unter der Couch zu bemerken. „Oma kennt anscheinend unsere Benimmregeln“, bemerkt die Katze und bewegt sich langsam aus ihrem Versteck auf Oma zu. „Wir lieben zurückhaltende Menschen, die uns den ersten Schritt machen lassen!“ schnurrt sie und springt mit einem Satz auf Omas Schoß, um sich streicheln zu lassen. „Bist du eine schöne Katze!“ Das sind die Worte, die Caramels Ohren klingen lassen und zufrieden rollt sie sich zusammen.

Als nach einiger Zeit die ganze Familie am Tisch sitzt und das Festessen beginnt, sind Rufus und Caramel zufriedener als an dem Morgen, an dem gar nichts nach Plan lief. Die Vorbereitungen für die Party haben Caramel ihre morgendliche Schmusezeit gekostet und die Katzentoilette wurde auch nicht wie immer von Frauchen gereinigt. Rufus musste mit einem viel zu kurzen Spaziergang auskommen. Und daher haben Caramel und Rufus gebeten, stellvertretend für ihre Artgenossen, das Schlusswort schreiben zu dürfen:
„Partys, Geburtstagskerzen & Co. sind o.k., wenn ihr unseren fixen Tagesablauf berücksichtigt, denn wir sind Gewohnheitstiere. Wir stehen auf Rituale, die uns Sicherheit geben und zeigen, dass unsere Welt mit euch in Ordnung ist. Das morgendliche Streicheln und das Spielen, die regelmäßige Fütterung und Pflege – und das Reinigen der Katzentoiletten – sowie die Spaziergänge sind für uns wichtig! In diesem Sinne : Let’s party – aber bitte mit Rücksicht auf uns!“

 

Ein Artikel von Tierpsychologin Denise Seidl. Das neue Buch „Mit Katzen leben“ von Denise Seidl ist soeben im KOSMOS Verlag erschienen.

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