Partnerhunde für behinderte Menschen

Seit 15 Jahren werden in Salzburg „Partner-Hunde“ ausgebildet, die behinderte Menschen in ihrem Alltag unterstützen. Mehr als 170 dieser wertvollen vierbeinigen Helfer hat der Verein „Partner-Hunde Österreich – Assistance Dogs Europe“ bisher hervorgebracht. Sie erledigen Aufgaben, die ihre behinderten Besitzer selbst nicht bewältigen können: Türen öffnen, Dinge herbeibringen, Einkäufe tragen, den Lift holen, um Hilfe bellen und vieles mehr – und verbessern damit deutlich die persönliche Lebensqualität und Selbstständigkeit „ihres“ Menschen. Wie jede Einrichtung dieser Art hat der gemeinnützige Verein, der sich nur aus Spenden und Sponsorgeldern erhält, immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nun sieht man sich aber einem ungewohnten Problem gegenüber: Es sind weniger Anwärter auf einen Hund angemeldet, als Hunde ausgebildet werden könnten.

„Viele behinderte Menschen, die sich einen Partner-Hund wünschen, gehen davon aus, dass sie sich die teure Ausbildung nicht leisten können,“ weiß Vereinsgründerin Elisabeth Färbinger aus Erfahrung. „Diese Sorge haben auch die meisten, die dann doch bei uns anfragen. Schließlich dauert die Ausbildung 18 Monate, und ein fertig ausgebildeter Hund kostet 14.000 Euro. Aber der künftige Besitzer muss davon nur 2.000 Euro selbst bezahlen. Für den Rest kommen Sponsoren auf.

In gewisser Weise „rächt“ sich jetzt Elisabeth Färbingers jahrelange unermüdliche Suche nach Sponsoren für ihre Schützlinge: „Wir haben natürlich immer die hohen Kosten der Ausbildung herausgestrichen, um genügend Unterstützer zu finden. Zum Glück ist uns das auch meistens gelungen.“ Doch hat das dazu geführt, dass – zumindest derzeit – mehr Sponsorzusagen vorliegen als Anfragen von Behinderten. „Nächstes Jahr ist es wahrscheinlich wieder umgekehrt,“ so Färbinger. „Aber derzeit stehen die Chancen, einen Partner-Hund zu bekommen, besonders gut.“

Ein Grund für die Verunsicherung ist wahrscheinlich die Tatsache, dass die Landesregierungen nicht in allen Bundesländern Zuschüsse gewähren (erfreuliche Ausnahme: Niederösterreich unterstützt mit 4.000 bis 6.000 Euro). Der Wert der vierbeinigen Helfer wird zwar anerkannt, aber die Mittel fehlen. Doch zahlreiche Unternehmen und Organisationen schätzen den Beitrag von Partner-Hunden zur erhöhten Lebensqualität von behinderten Menschen und leisten immer wieder die Basisförderung von 12.000 Euro pro Hund. Diese Beiträge ermöglichen die eigene Zucht von gesundem Hundenachwuchs, die umfassende Ausbildung und die Erhaltung der Einrichtungen des gemeinnützigen Vereins.

Damit bleibt für die künftigen Besitzer nur ein Selbstbehalt von 2.000 Euro. Die Befürchtung, ein Partner-Hund sei unerschwinglich, ist somit unbegründet. Die Eigenleistung deckt auch die Kosten für das mehrwöchige Einschulungsseminar ab, als Ausgangspunkt für einen geglückten Start ins gemeinsame neue Leben.

Auch der Weg zu einem Partner-Hund ist nicht schwierig. Man meldet sich einfach beim Verein und vereinbart einen Termin für ein persönliches Gespräch. „Wir haben natürlich keine Partner-Hunde ‚auf Lager‘, denn jeder Hund lernt genau jene Fertigkeiten, die sein zukünftiger menschlicher Partner braucht,“ erklärt Färbinger. „Mensch und Hund müssen ja auch charakterlich zusammenpassen.“ Mit anderen Worten: Je früher man sich meldet, desto rascher kann der Wunsch nach einem „Partner mit der kalten Schnauze“ in Erfüllung gehen. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt 6 – 12 Monate. An der Finanzierung soll es jedenfalls nicht scheitern.

Wer etwas dazu beitragen will, einem behinderten Menschen das Leben durch einen Partner-Hund zu erleichtern, kann das derzeit auf besonders attraktive Weise tun: Anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober läuft bei Billa eine Aktion, mit der Pedigree – ein Hauptsponsor des Vereins seit Beginn – zusätzliche Mittel aufbringen will: Konsumenten können um einen Euro einen herzigen kleinen Plüsch-Partner-Hund als Schlüsselanhänger kaufen. Der Erlös kommt zur Gänze dem Verein Partner-Hunde Österreich für die Ausbildung der nächsten Hunde zugute.

Der Verein „Partner-Hunde Österreich – Assistance Dogs Europe“ feiert heuer sein 15-jähriges Bestehen. 1990 wurde er von der Biologin Elisabeth Färbinger gegründet, die das Konzept – Hunde als Helfer für behinderte Menschen einzusetzen – aus den USA mitgebracht hatte.

Die Leiterinnen Elisabeth Färbinger und Nannerl Wenger züchten die Hunde selbst, um die Eignung der Tiere sicherzustellen. Labrador- und Golden Retriever sowie Mischungen aus den beiden Rassen sind – was Charakter und Gesundheit betrifft – als Partner-Hunde am besten geeignet. Um den Qualitätsstandard zu halten, arbeitet der Verein mit ähnlichen Institutionen in anderen europäischen Ländern und auch mit Ausbildungszentren in Amerika zusammen.

Jeder kann mithelfen, die Idee der Partner-Hunde zu verbreiten und den Fortbestand dieses besonderen Projekts zu sichern: durch eine Mitgliedschaft im Verein Partner-Hunde Österreich mit 40 Euro Mitgliedsbeitrag pro Jahr. Aber auch die Information von Menschen, die einen Partner-Hund benötigen könnten, ist wichtig. Die bestehenden erfolgreichen Partnerschaften zeigen, wie positiv sich die Beziehung zwischen Mensch und Hund auf das Leben der Betroffenen auswirkt. Kein „Hunde-Partner“ würde seinen Partner-Hund je wieder hergeben wollen. Und auch künftigen Partnerschaften soll nichts im Wege stehen. Sponsoren stehen bereit – jetzt gibt es die Chance für weitere behinderte Menschen, einen Partner-Hund zu bekommen.

Verein „Partner-Hunde Österreich“
Weitwörth 1, 5110 Oberndorf
Telefon: 06272-7706
E-Mail: office@partner-hunde.org
Website: www.partner-hunde.org

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