Tierärzte in Wien schneiden im Test gut ab

Testbericht und Tipps für den Hundekauf

Ein guter Tierarzt zeichnet sich nicht nur durch medizinische Kompetenz aus. Gerade wenn der Halter noch unerfahren im Umgang mit Hunden ist, sollte der Veterinär auch über die richtige Haltung, Erziehung und Ernährung des Tieres informieren.

In Wien gibt es derzeit rund 360 Tierärzte. Das Testmagazin „Konsument“ hat bei 15 einen Praxistestgemacht: Eine speziell geschulte Testperson besuchte mit ihrem acht Wochen alten Welpen, einem Australian Shepherd, die Tierarztpraxen mit der Bitte um eine ausführliche Erstberatung und Untersuchung.

Fazit: „Noch nie haben Ärzte in unseren Tests so gut abgeschnitten. Das ist das beste Ergebnis, seit wir Ärzte auf Herz und Nieren prüfen“, zeigt sich Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation, positiv überrascht. Gleich neun von fünfzehn Ärzten sind „gut“ oder sogar „sehr gut“. Lediglich zwei Veterinäre schneiden wegen schwerer Beratungsmängel „weniger zufriedenstellend“ ab. Verbesserungspotenzial sieht Bärbel Klepp, „Konsument“-Gesundheitsexpertin und Tierärztin, dennoch: „Vor allem die Beratung zu Haltung und Erziehung kam bei fast allen Ärzten zu kurz.“

Zentrale Prüfkriterien waren die Beratung zu Ernährung, Impfung, Entwurmung, Haltung und Erziehung sowie die Qualität der durchgeführten klinischen Untersuchung. Service, Ambiente und Freundlichkeit wurden ebenfalls erhoben, spielten bei der Bewertung jedoch eine untergeordnete Rolle. Bei der klinischen Untersuchung wurde beurteilt, ob die wichtigsten Parameter wie etwa Haarkleid, Puls oder Zähne erhoben wurden und die Tierärzte auf die Sorgen von Hundehaltern eingehen.

Da die Testerin angab, dass es sich um ihren ersten Hund handelt, wurde auch eine ausführliche Ernährungsberatung erwartet. Hier wurde darauf geachtet, ob Futtermittel, die der Tierarzt selber vertreibt, verstärkt beworben werden. Ein Viertel der Benotung machte die Beratung zu Impfung und Entwurmung aus. Der vorgelegte Impfpass des Welpen wies aus, dass keine Impfung benötigt wurde, der Impfschutz aber noch unvollständig war. Hinsichtlich der Beratung zu Haltung und Erziehung wurde wiederum getestet, ob die Tierärzte auf Bedürfnisse des Hundes wie Auslauf und Sozialkontakt hinweisen. Auch Tipps zur Unterbringung und Versorgung des Tieres während des Urlaubs sollten gegeben werden.

Klarer Spitzenreiter
Nur eine einzige Tierarztpraxis erfüllte alle Anforderungen an eine klinische Untersuchung: die Tierklinik „Wien-Breitensee“. Die behandelnde Tierärztin Dr. Anita Achleitner überzeugte aber auch bei der Beratung zu Ernährung sowie zu Haltung und Erziehung. Einziger Wermutstropfen: Wie bei allen anderen Ärzten fehlten Tipps zur Unterbringung des Hundes während der Urlaubszeit. Und auch der Meinung, einem Besuch der Hundeschule stehe nichts im Wege, konnten sich die Tester angesichts des unvollständigen Impfschutzes des Testwelpen nicht anschließen.

Immer noch „sehr gut“ – allerdings schon mit deutlichem Abstand zum Testsieger – schneiden die Tierarztpraxen „Sebernegg“, „Islitzer“ und „Kapaun & Scherr“ ab. Allerdings wurde hier durchgehend auf Puls- und Fiebermessung verzichtet, was aber kein Einzelfall ist. Nur zwei Ärzte haben den Puls und drei die Temperatur gemessen. Klepp: „Die systematische Untersuchung ist aber unumgänglich und wird auch so gelehrt, da für einen unkundigen Tierbesitzer ein kranker Hund durchaus gesund wirken kann.“ Lediglich fünf Tierärzte informierten zudem über die Ursache für den von der Testerin angegebenen Juckreiz am Hals des Hundes.

Ernährungsberatung ohne Hintergedanken
Bei der Ernährungsberatung fiel besonders positiv auf, dass keiner der Tierärzte – obwohl sie selbst Futtermittel verkaufen – massive Futterwerbung betrieb. Trotzdem gibt es auch hier Verbesserungsmöglichkeiten: Zwar erkundigten sich zwölf Tierärzte über die Fressgewohnheiten des Welpen, über die optimale Fütterungshäufigkeit berieten hingegen nur noch sieben. Auf die Ursachen und Gefahren einer Magendrehung, die ohne chirurgische Versorgung zum Tode führen kann, wiesen gar nur fünf Ärzte hin.

Uneinig beim Impfschutz
Bei der individuellen Impfberatung konnten die Ärzte aber wieder nahezu durchgehend punkten. Sämtliche Ärzte erhoben den Impfstatus des Hundes und bis auf eine Ausnahme informierten alle über die Tollwutimpfung. Uneinigkeit herrschte bei der Frage der besorgten Besitzerin, ob der Hundewelpe für den Hundeschulbesuch ausreichend geschützt sei: Nur sechs Tierärzte beantworteten diese Frage korrekt nach der neuen Impfrichtlinie mit Nein. Neun Tierärzte informierten über den EU-Heimtierausweis und ebenso viele über die nötigen Entwurmungen beim Welpen im Abstand von drei Wochen.

Eine Frage der Erziehung
Überwiegend schlechte Noten gab es hingegen bei der Beratung zu Haltung und Erziehung. Mehr als die Hälfte der getesteten Tierärzte kam in diesem Prüfpunkt nicht über ein „durchschnittlich“ hinaus, fünf Ärzte gingen sogar mit keinem Wort darauf ein. Gerade aber hier macht gute Aufklärung Sinn. Denn wie eine aktuelle Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend für das Jahr 2007 zeigt, stammen 2.194 Bissverletzungen von Tieren, deren Besitzer ausgeforscht werden konnten. Dem stehen lediglich 206 Verletzungen von fremden Tieren gegenüber. „Diese Zahlen belegen, wie wichtig eine ausreichende Aufklärung des Tierhalters über Haltung und Erziehung von Beginn an ist“, mahnt Klepp.

Die Kosten
Für eine Kleintiervisite sind laut geltender Honorarordnung zwischen 16,48 Euro und 37,67 Euro zu bezahlen. Drei Tierärzte hielten sich nicht daran und unterschritten diese Grenze sogar. Die Testperson musste für ihren Welpen zwischen 0 und 35 Euro hinblättern, die Beratungszeit war ebenso unterschiedlich wie die Kosten und reichte von fünf bis sechzig Minuten. „Es zahlt sich also aus, beim Tierarzt wählerisch zu sein“, sagt Bärbel Klepp. Bei vier Ärzten fielen neben der Ordinationsgebühr auch noch Kosten für Medikamente an.

Tipps für den Hundekauf
Wer sich für den Kauf eines Hundes entscheidet, sollte folgende Punkte berücksichtigen:

Kosten: Der Anschaffungspreis macht nur einen geringen Anteil an den Haltungskosten aus. Futter, Pflege, Hundeschule, Hundesteuer, Versicherung und Tierarzt haben ihren Preis. Im Sinne des Hundes im Vorhinein überlegen, ob man sich das auf Dauer auch leisten kann.

Tierheim: Hunde aus dem Tierheim stehen unter tierärztlicher Kontrolle und sind vielfach günstiger als beim Züchter. Allerdings haben diese häufig Erfahrungen hinter sich, die eine Eingliederung in die Familie erschweren können. Bei der Auswahl eingehend beraten lassen.

Papiere: Beim Kauf vom Züchter darauf achten, dass man einen Impfpass und einen Kaufvertrag erhält, bei Tieren aus dem Ausland den Heimtierpass. „Reinrassig, aber ohne Papier“ lässt oft auf nicht eingehaltene Zuchtvorschriften schließen.

Gesetzliche Vorgaben: Auf die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben achten. Welpen müssen bei der Abgabe mindestens acht Wochen alt sein, ab dem 30.6.2008 auch gechippt. Alle Angaben zur Identität müssen in einem Impfpass eingetragen sein.

Quelle: VKI

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