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Haustiere wirken positiv auf die Gesundheit
25.05.2007
Die "heilende Wirkung" von Hunden und anderen Haustieren war
bereits in der Antike bekannt. Doch war es Florence Nightingale, die
Wegbereiterin der modernen Krankenbetreuung, die Anfang des 19.
Jahrhunderts erstmals gezielt Hunde einsetzte, um kranke Menschen
rascher zu heilen. In den letzten Jahrzehnten wurde in unzähligen
Studien bewiesen, dass Haustierbesitzer seltener erkranken,
ausgeglichener sind, einen niedrigeren Blutdruck haben, weniger häufig
zum Arzt gehen und bei Krankheit auch rascher genesen. Hundebesitz ist
zudem ein Garant für regelmäßige Bewegung.
Speziell
diese Erkenntnisse aus dem medizinischen Bereich wurden aktuell bei
einem Fachkongress in Berlin diskutiert. Dr. Dorit Haubenhofer, eine in
den Niederlanden tätige österreichische Wissenschafterin, erklärte,
dass viele Menschen vor allem deshalb zum Arzt gingen, um sich dort auszusprechen. Bei Tierbesitzern sei dies weniger zu beobachten, weil sie mit ihrem Tier sprechen; Hundehalter seien auch auf der Straße kommunikativer und meist besser in ein soziales Gefüge eingebunden.
Eine
umfangreiche Studie dazu gibt es aus den USA: Dort wurden mehr als 900
Personen nach Gesundheitszustand, Stressbelastungen und Haustierbesitz
befragt. In der Gruppe mit der größten Stressbelastung mussten die
Tierbesitzer deutlich - um 16 Prozent - seltener einen Arzt aufsuchen
als die Nicht-Tierbesitzer; bei den Hundebesitzern allein waren es
sogar 21 Prozent. "Offensichtlich kann die Anwesenheit eines Tieres im Haushalt dazu beitragen, mit Stressbelastungen besser fertig zu werden," vermutet die Studienautorin, Dr. Judith Siegel von der University of California.
In
Deutschland wurde sogar berechnet, wie viel sich die Kassen bei der
Behandlung nach einem Schlaganfall ersparen: Bei Personen mit
Haustieren sind die Rehabilitationskosten pro Jahr um durchschnittlich
2.485 Euro niedriger als bei Patienten ohne Haustiere - das sind bis zu
einem Drittel der Gesamtkosten.
In der Schweiz wiederum stellte man bei Haustierbesitzern eine kürzere Verweildauer im Krankenhaus
fest. Je nach Schwere der Krankheit waren Hunde- und Katzenbesitzer um
drei bis neun Tage kürzer im Spital. Zurückgeführt wird dieses Phänomen
unter anderem auf die Verantwortung und die Beziehung, die diese
Menschen zu ihren Tieren haben. Was immer die Ursache sein mag: Der
Effekt ist jedenfalls eine Kostenersparnis für das Gesundheitssystem.
Interessante österreichische Forschungsergebnisse
Sehr
beachtet wurden bei dem Kongress die Beiträge der österreichischen
Wissenschafterinnen: so zum Beispiel jener von Manuela Wedl über die Fähigkeit von Katzen, Menschen aktiv zu trösten.
85 Prozent der Katzenbesitzer gaben in einer Untersuchung an, ihre
Katzen würden ihren jeweiligen Gemütszustand erkennen und bei
"Problemen" näheren Kontakt zu ihnen suchen.
Dr. Friederike
Range, die in Wien wissenschaftlich arbeitet, hat mit ihrer Studie über
"Ähnliche geistige Leistungen bei Kindern und Hunden" bereits
international für Aufsehen gesorgt. Darin wird festgestellt, dass Hunde - ähnlich wie wir Menschen - in der Lage sind, ihre Artgenossen zu imitieren.
So zeigte sich bei Tests, in denen Hunde eine Vorrichtung bedienen
mussten, um an ihr Futter zu gelangen, dass die Tiere dazu neigten,
einen "Vorführhund" nachzuahmen, der die Vorrichtung mit der Pfote
bediente - obwohl es einfacher und "hundegerechter" gewesen wäre, die
Schnauze zu benützen. Sowohl Kleinkinder als auch Hunde zeigen in
solchen Fällen ein ganz ähnliches Verhalten. "Wir wollen aber
keinesfalls Mensch und Tier miteinander vergleichen," betonte Range.
Doch könne man diese Erkenntnisse in das Training von Therapiehunden
einfließen lassen.
"Insgesamt ist die Atmosphäre entspannter,"
berichtet der Psychologe Prof. Dr. Erhard Olbrich von der Universität
Erlangen-Nürnberg aus Studien über das soziale Verhalten von Menschen
untereinander in Gegenwart von Tieren. "Entscheidend für die
Wirksamkeit des 'Medikaments Tier' ist aber eine positive emotionale
Beziehung. Von einem Tier als Stresstherapeut profitieren kann natürlich nur, wer Tiere mag." warnt Olbrich vor einem Tierkauf aus rein "therapeutischen" Motiven.
Sogar in Prüfungssituationen
scheint sich die Anwesenheit eines Tieres positiv auf die
Stressbelastung auszuwirken. Eine amerikanische Studie kam hier zu
erstaunlichen Ergebnissen: Bei Prüflingen, die entweder alleine, in
Begleitung des Ehepartners oder ihres Hundes eine Prüfung zu bestreiten
hatten, stiegen Puls und Blutdruck am wenigsten an, wenn ein Tier dabei
war; am größten war der Prüfungsstress in Begleitung des Ehepartners.
"Wahrscheinlich wirken Hunde deshalb so beruhigend, weil sie - anders
als Menschen - ihre Zuneigung nicht von unserem Verhalten oder unserer
Leistung abhängig machen," vermutet die Studienleiterin, Dr. Karen
Allen von der Buffalo School of Medicine. "Ihr Hund liebt Sie, ganz gleich, ob Sie ein Überflieger oder ein totaler Versager sind - und diese Gewissheit beruhigt." Univ.-Prof. Dr. Kurt Kotrschal, Präsident des IEMT, sieht das Potenzial der Mensch-Tier-Beziehung noch deutlich unterschätzt:
"Die Zahl der Anwendungen, bei denen Haustiere Menschen helfen können,
nimmt explosionsartig zu. Auch ist bereits unbestritten, dass eine enge
Mensch-Tier-Beziehung enorme Vorteile für die Gesellschaft bringt.
Doch müssen wir seitens der Wissenschaft nun alles in Zahlen fassen, um
für Politik und Krankenkassen zu belegen, wie sehr Haustiere nicht nur
die Lebensqualität der Menschen erhöhen, sondern auch die Finanzen des
Gesundheitssystems entlasten könnten."
Quelle: IEMT
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