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Warum ist ein Hund aggressiv ?
Rasse weniger entscheidend als Verhalten des Besitzers
30.04.2009
Wer seinen Hund schlecht führt, gerät viel eher in Gefahr, ein aggressives Tier
heranzuziehen. Das berichten Tiermediziner der Universität Cordoba im Journal of
Animal and Veterniary Advances. Sie suchten bei einer großen Anzahl
verschiedener Hunderassen nach Faktoren, die am Entstehen aggressiven Verhaltens bei den Tieren
beteiligt sind, und fanden die Hauptschuld bei
den Besitzern. "Aggressives Verhalten kommt am ehesten bei Besitzern vor,
die keine Vorerfahrung in der Hundehaltung haben, die ihre Tiere nicht schulen,
sie übermäßig verwöhnen und es verabsäumen, ihnen Grenzen zu zeigen oder
genügend Zeit zu widmen", erklärt Studienleiter Joaquín Pérez-Guisado. Auch die
Kastration weiblicher Hunde, die Anschaffung als Geschenk oder die Haltung als
Wachhunde könne aggressives Verhalten begünstigen. Seitens des Hundes sei der
Gesundheitszustand für das Verhalten
bedeutend. "Rasse, Alter, Geschlecht und Größe des Hundes geben hingegen
weit weniger Ausschlag", so der spanische Forscher.
Aggressives
Verhalten ist bei Hunden normal, denn sie zeigen dadurch, dass sie Angst haben,
irritiert sind oder dass ihnen etwas nicht gefällt", betont die Tierärztin und
Tierverhaltenstherapeutin Heidi Bernauer-Münz. Bemerkbar mache sich ein Problem
des Hundes auf verschiedenste Weise. "Hunde
besitzen eine große Klaviatur von Ausdrucksformen, die von Bellen und
Knurren bis zu Schnappen und kräftigem Zubeißen reichen." Als häufigen Auslöser
unerwünschten Verhaltens sieht Bernauer-Münz das mangelnde Verstehen der Hundesprache seitens
des Besitzers. "Hunde werden oft als böse Hunde abgestempelt, weil der Besitzer
bestimmte Angstsignale nicht versteht. Doch wenn sich das Tier in die Enge
getrieben fühlt, schnappt es leicht zu und lernt damit für die nächste ähnliche
Situation. Damit es nicht dazu kommt, sollte man Zeichen wie etwa das
Zurückweichen des Tieres vor einer fremden Person rechtzeitig erkennen und dem
anderen signalisieren, dem Tier nicht zu nahe zu kommen", empfiehlt
Bernauer-Münz.
Da aggressive Verhaltensweisen gelernt sein können, ist
es möglich diese wieder abzutrainieren, so die Wetzlarer Tierärztin. Das
erfordere jedoch stets die Suche nach den Ursachen des Fehlverhaltens. "Erst
nach einer Diagnose kann entschieden werden, ob eine Verhaltenstherapie oder auch eine medizinische Behandlung notwendig ist. Denn in
vielen Fällen gehen Verhaltensprobleme auf Erkrankungen wie Schmerzen,
Infektionen oder hormonelle Probleme zurück", betont Bernauer-Münz. Die
Verhaltenstherapie könne hingegen Fehler der Kommunikation korrigieren. "Es
gehen mittlerweile viele Hundebesitzer in Hundeschulen, aber Missverständnisse
in den Bedürfnissen des Hundes gibt es immer noch genug. Viele Besitzer glauben,
ihren Hund auf 'Sitz!' oder 'Platz!' trainiert zu haben, dabei beobachten die
Tiere oft nur die Körpersprache."Gewalt sei
selbst für aggressive Hunde kein geeignetes Erziehungsmittel, warnt die
Tierärztin. "Aggressionen gegen den Hund machen ihn unter Umständen noch
aggressiver und erhöhen damit das Risiko, selbst gebissen zu werden. Grenzen
muss man Hunden aber durchaus setzen. Das Zusammenleben soll für alle erfreulich
sein."
Für die Studie hatten die spanischen Tiermediziner über 700
männliche und weibliche Hunde untersucht, die großteils reinrassig waren.
Darunter befanden sich einerseits Hunde, die als aggressiv gelten, wie etwa Bull
Terrier, deutsche Schäferhunde, Boxer, Rottweiler oder Doberman. Die Ergebnisse
dieser Beobachtung verglich man mit derjenigen von scheinbar gutmütigeren Arten,
die jedoch auch aggressives Verhalten aufzeigten, wie etwa Dalmatiner, Irish Red
Setter, Golden Retriever, Labrador Retriever, Zwergpudel, Chihuaha und
Pekinese.
Quelle: pte
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