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Irrtümer bei der Ernährung von Hund und Katze
Wer ein Tier hat, will für den vierbeinigen Freund gut sorgen - und auch bei
der Fütterung alles richtig machen. Empfehlungen und Ratschläge gibt es genug:
Andere Tierbesitzer berichten von ihren persönlichen Erfahrungen, in
Fachpublikationen werden verschiedene Tipps gegeben, in der Werbung wird eine
Vielzahl unterschiedlicher Fertigprodukte angepriesen, und im Internet kursieren
sowohl nützliche Informationen, als auch absurde Gerüchte.
Kein Wunder,
dass Tierbesitzer oft verunsichert sind. Leider passieren tatsächlich
Fütterungsfehler aufgrund verbreiteter Irrtümer. Zehn solcher "Mythen" haben wir
gesammelt und eine Expertin, Prof. Dr. Christine Iben vom Institut für Ernährung
der Veterinärmedizinischen Universität Wien, um ihre Stellungnahmen dazu
gebeten.
Lesen Sie hier, worauf Sie bei der Ernährung Ihres Tieres achten
und was Sie vermeiden sollten.
Irrtum 1: Hunde und Katzen brauchen
rohes Fleisch. Es besteht keine ernährungsphysiologische Notwendigkeit,
Hunden und Katzen rohes Fleisch zu füttern. Als Raubtiere nehmen Hund und Katze
zwar gerne rohes Fleisch als Nahrung an - doch birgt rohes Fleisch
gesundheitliche Risiken: Parasiten, Bakterien (z.B. Salmonellen) und Viren
können übertragen werden. Bei immunschwächeren Tieren wie Welpen, kranken oder
alten Hunden und Katzen sollte daher auf rohes Fleisch im Futter verzichtet
werden.
Irrtum 2: Hunde und Katzen sind reine
Fleischfresser. Keine Frage: Hunde und Katzen benötigen Fleisch in ihrer
Nahrung, für Katzen ist es sogar unverzichtbar. Ausschließliche Fleischfütterung
ist aber für beide Tierarten gesundheitsschädlich. Sie führt zu
Mineralstoffmangel und kann bei Hund und Katze Hautkrankheiten und
Gelenksschäden, Knochenbrüche und schmerzhafte Verkrümmungen der Wirbelsäule
verursachen. Bei Hunden bewirkt zu viel Fleisch in der Nahrung oft auch übel
riechende Ausdünstungen. Hunde benötigen etwa 20-30 Prozent Eiweiß und 5-15
Prozent Fett im Futter, bei Katzen sollten die Anteile doppelt so hoch sein.
Nichts falsch machen kann man bei Fertigfutter - da ist die bedarfsgerechte
Zusammenstellung sogar gesetzlich vorgeschrieben.
Irrtum 3: Hund und
Katze können auch mit Tischresten gut ernährt werden. Ernährt werden
können sie auf diese Weise - aber nicht bedarfsgerecht. Denn menschliche Nahrung
ist für Hund und Katze nicht geeignet, da sich ihr Nährstoffbedarf grundlegend
von unserem unterscheidet. Sie brauchen andere Anteile an Eiweiß, Fett,
Kohlenhydraten, Mineralstoffen und Vitaminen. Auch ist das, was von unseren
Tischen abfällt, für Tiere oft zu stark gewürzt. Werden Hunde und Katzen
ausschließlich mit Tischresten ernährt, können auf Dauer Schäden durch
Fehlernährung auftreten. Auch wenn deren Folgen meist erst später erkennbar
werden, sollten Sie das Risiko nicht eingehen.
Irrtum 4: Am besten für Hund oder Katze ist immer noch selbst zubereitetes
Futter. Natürlich kann man eine Mahlzeit für Hund oder Katze auch selbst
richtig ("artgerecht") zubereiten. Dazu muss man sich aber eingehend mit
entsprechender Literatur befassen oder gut beraten lassen, um Fehlernährung,
Übergewicht oder Mangelerscheinungen zu vermeiden. Denn unser "Gefühl" für
ausgewogene Ernährung hilft uns hier nicht, da diese Tiere einen anderen
Nährstoffbedarf haben als wir. Fertignahrung ist daher - bei Beachtung der
Fütterungsanleitungen auf den Packungen - die sichere Alternative: Ihre
Zusammensetzung ist auf Basis aktueller ernährungswissenschaftlicher
Erkenntnisse gesetzlich geregelt - und das zum Teil sogar strenger als bei
menschlicher Nahrung.
Irrtum 5: Hunde brauchen Knochen. Hunde
nagen gerne und brauchen dies auch zur Zahnpflege. Jeder kennt die einschlägigen
Darstellungen von Hunden mit Knochen aus Comics und Bilderwitzen. Da Knochen
aber unvollständig verdaut werden, führen sie häufig zu Verstopfung. Splittern
sie, kann es zu gefährlichen Verletzungen im Verdauungstrakt kommen. Bei
Röhrenknochen von Geflügel ist diese Gefahr besonders groß. Sie sollten daher
gar nicht und andere Knochen allenfalls beschränkt gegeben werden.
Handelsübliche "Kauknochen" befriedigen das Kaubedürfnis in sicherer Form und
reinigen die Zähne.
Irrtum 6: Der Hund weiß selbst, wie viel er
fressen muss. Wölfe fressen immer so viel, wie sie kriegen können: Denn
oft dauert es mehrere Tage, bis sie wieder an eine Mahlzeit gelangen. Beim
Haustier Hund, dessen regelmäßige Fütterung ja gesichert ist, kann dieses
ererbte Verhaltensmuster negative Auswirkungen haben: Bis zu 40 Prozent der
Hunde über sieben Jahre leiden an Übergewicht. Die Folgen: nachlassende
Aktivität, Gelenkschäden, erhöhte Kreislaufbelastung, Diabetes und zahlreiche
andere Erkrankungen. Besonders bei Welpen kann übermäßige und unausgewogene
Energiezufuhr später zu Dauerschäden führen. Bei Fütterung mit Fertigprodukten
sollte daher stets auf die Empfehlungen der Hersteller geachtet werden. Dies
gilt speziell für Trockennahrung, die als Konzentrat oft eine erhöhte
"Kaloriendichte" aufweist. Und: Auch Belohnungshappen zwischendurch müssen für
die Gesamtkalorienrechnung berücksichtigt werden. Eine Gewichtskontrolle in
regelmäßigen Abständen und entsprechende Anpassung der Futtermenge hilft,
Übergewicht zu vermeiden. Irrtum 7: Das richtige Getränk für Katzen
ist Milch. Katzen müssen trinken und sollten stets eine gut gefüllte
Schüssel mit frischem Wasser vorfinden. Kuhmilch enthält viel Milchzucker
(Laktose) und kann daher Durchfall verursachen). Wenn eine Katze - dem Klischee
gemäß - lieber Milch als Wasser trinkt, sollte man daher die Milchmenge
reduzieren bzw. die Milch mit Wasser verdünnen oder im Handel erhältliche,
laktose-reduzierte "Katzenmilch" anbieten.
Irrtum 8: Rohe Leber ist
gut für Katzen. Katzen lieben Innereien und verzichten ungern darauf,
nachdem sie daran gewöhnt wurden. Wird eine Katze aber ausschließlich oder
großteils mit roher Leber gefüttert, kann sie an einem Vitamin A-Überschuss
erkranken, der zu schmerzhaften Lähmungserscheinungen, Gelenksveränderungen und
Knochendeformationen führt. Abgesehen davon können, wie auch durch rohes
Fleisch, Parasiten, Bakterien und Viren übertragen werden. Zu viel Leber schadet
also genau so wie jede andere einseitige oder unausgewogene
Ernährung.
Irrtum 9: Fertigfutter enthält verdorbenes Fleisch aus der
Tierkörperverwertung. Solche Behauptungen tauchen immer wieder auf,
entbehren aber jeder Grundlage. Die strengen gesetzlichen Vorschriften für die
Herstellung von Heimtierfertignahrung verlangen, dass alle eingesetzten
fleischlichen Rohstoffe von Tieren stammen, die "tauglich für den menschlichen
Genuss" sind. Die Tiernahrungshersteller verwenden daher nur Fleisch aus
Schlachtungen für den menschlichen Bedarf - und zwar bevorzugt Fleischteile und
Innereien, die von Menschen aus optischen oder kulturellen Gründen nicht
gegessen, von Katzen und Hunden aber oft besonders geschätzt
werden.
Irrtum 10: Dem Fertigfutter werden süchtig machende Stoffe
beigemengt. Diese Behauptung ist ebenso unsinnig wie andere, die
insbesondere im Internet herumschwirren: Die Verwendung süchtig machender Stoffe
als Futterzusatz ist selbstverständlich verboten. Hunde und Katzen haben aber
meist eindeutige Präferenzen, was ihr Futter betrifft. Wie wir Menschen auch
haben sie sowohl "Lieblingsgerichte", als auch Speisen, die sie nicht so gerne
fressen. Solche Vorlieben sind natürlich individuell verschieden, doch gibt es
Futtersorten, die mehr Zuspruch finden als andere. Mit Suchtstoffen hat das
ebenso wenig zu tun wie bei menschlicher Nahrung, wenn bestimmte Produkte sich
besser verkaufen als der Durchschnitt.
Quelle: ÖHTV
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